Avicularia avicularia
Dunkel behaart mit leuchtend rosa bis orangefarbenen Fußspitzen: Avicularia avicularia, im englischen Sprachraum als "Pinktoe Tarantula" bekannt, ist eine Art mit Geschichte: Carl von Linné beschrieb sie 1758 als Aranea avicularia, damit gehört sie zu den ersten wissenschaftlich beschriebenen Vogelspinnen überhaupt. Sie ist friedlich, kaum wehrhaft und eine klassische Baumvogelspinne für Einsteiger, sofern man ihr Bedürfnis nach guter Belüftung ernst nimmt.
Übersicht auf einen Blick
- Lebensweise
- baumbewohnend (arboricol)
- Herkunft
- nördliches Südamerika (u. a. Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Venezuela, Nordbrasilien, Kolumbien, Peru) und Trinidad
- Einsteiger-Eignung
- Sichtbarkeit
- Aktivität
- Grabverhalten
- Netzbau
Steckbrief / Systematik
- Wissenschaftlicher Name: Avicularia avicularia (Linnaeus, 1758)
- Gattung: Avicularia
- Familie: Theraphosidae (Unterfamilie Aviculariinae)
- Verbreitung: weit verbreitet im nördlichen Südamerika und auf Trinidad und Tobago
- Lebensraum: tropische Regenwälder, Plantagen und Gärten; lebt in Bäumen, Büschen, Bananenstauden und auch an Gebäuden
- Körperlänge: ca. 5–6 cm Körperlänge, bis ca. 12–14 cm Beinspannweite
- Wachstum: mittel bis schnell
- Lebenserwartung: Weibchen ca. 10–12 Jahre, Männchen ca. 2–3 Jahre
- Schutzstatus: nicht CITES-gelistet
Hinweis zur Systematik: Der Gattungsname Avicularia leitet sich vom lateinischen avis (Vogel) ab. Er steht wie der deutsche Begriff "Vogelspinne" in Verbindung mit einer berühmten Darstellung von Maria Sibylla Merian (1705), die eine große Spinne beim Fressen eines Kolibris zeigt. Fukushima & Bertani haben die Gattung 2017 überarbeitet. Dabei wurden mehrere zuvor eigenständige Arten bzw. Handelsformen, etwa "A. metallica" oder Tiere aus verschiedenen Regionen wie "Amazonica" oder "Guyana", A. avicularia zugeordnet. Die Art ist dadurch recht variabel, und Handelsbezeichnungen nach Herkunft sind weiterhin verbreitet.
Erscheinungsbild
Die Grundfärbung ist dunkelbraun bis schwarz, oft mit einem metallisch grünlichen, bläulichen oder violetten Schimmer auf Carapax und Beinen. Typisch sind die rosa bis orangefarbenen Haarbüschel an den Beinspitzen, die der Art ihren englischen Namen "Pinktoe" eingebracht haben. Beine und Abdomen tragen lange, oft hell gesäumte Haare. Je nach Herkunft kann die Färbung deutlich variieren. Jungtiere sind ganz anders gefärbt: hell mit dunklen Beinen und einem dunklen Baummuster auf dem Abdomen; ihre Fußspitzen sind noch dunkel. Männchen sind nach der Reifehäutung schlanker, langbeiniger und oft intensiver schimmernd, tragen Bulbi an den Pedipalpen und Schienbeinhaken am ersten Beinpaar.
Habitat und natürliche Lebensweise
A. avicularia lebt in Bäumen, Büschen und Bananenstauden, unter Rinde, in Astgabeln und Bromelien sowie an Hauswänden. Dort spinnt sie dichte, sackartige Gespinströhren als Unterschlupf. Sie ist nachtaktiv und jagt in der Umgebung ihres Gespinsts.
Terrarium und Einrichtung
- Größe: für ein adultes Tier z. B. 30 x 30 x 40 cm; Höhe ist wichtiger als Fläche
- Bodengrund: 5 cm, z. B. Kokoshumus oder Terrarienerde, überwiegend trocken
- Einrichtung: schräg oder senkrecht gestellte Korkröhre oder Korkrinde im oberen Bereich, Äste und Kunstpflanzen als Ankerpunkte für Gespinst, kleiner, gut erreichbarer Wassernapf
- Belüftung: entscheidend für diese Art – reichlich Querlüftung, idealerweise Lüftungsflächen an mehreren Seiten
- Hinweis: Das Terrarium sollte sich von vorne öffnen lassen, da die Spinne ihr Gespinst meist im oberen Bereich anlegt und eine Öffnung von oben das Gespinst zerstört
Temperatur und Klima
- Temperatur: 24–28 °C
- Luftfeuchtigkeit: ca. 65–75 % bei guter Luftzirkulation; ein Wassernapf genügt, gelegentlich die Einrichtung oder Gespinstränder leicht übersprühen, damit die Spinne Tropfen trinken kann
- Jahreszeitliche Schwankungen: nicht notwendig
- Wichtig: Stehende, feuchte Luft und nasser Bodengrund sind die häufigsten Ursachen für Todesfälle bei Avicularia-Arten. Lieber etwas trockener und gut belüftet halten als zu feucht
Verhalten und Verteidigungsverhalten
A. avicularia gilt als sehr friedlich. Bei Störung flüchtet sie meist, oft auch mit kurzen, schnellen Sprüngen, was beim Öffnen des Terrariums zu beachten ist. Sie besitzt Brennhaare, streift diese aber nicht ab wie Bodenbewohner, sondern überträgt sie nur bei direktem Kontakt. Eine typische, harmlose Abwehrreaktion ist ein gezielter Kotspritzer. Bisse sind sehr selten. Ein Biss ist für gesunde Menschen medizinisch in der Regel unbedenklich.
Fütterung
Je nach Größe Grillen, Heimchen, Heuschrecken oder Schaben. Jungtiere 1–2x wöchentlich, adulte Tiere alle 1–2 Wochen. Futtertiere am besten in der Nähe des Gespinsts abgeben, damit die Spinne sie bemerkt. Nicht angenommenes Futter nach ca. 24 Stunden entfernen.
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