Poecilotheria tigrinawesseli
Leuchtend narzissengelbe, schwarz gebänderte Vorderbeine, bläulich-graue Hinterbeine und nach der Häutung ein violetter Schimmer: Poecilotheria tigrinawesseli, im Hobby als "Wessel's Tiger Ornamental" bekannt, ist eine der farbenprächtigsten Ornamentvogelspinnen. Sie wurde erst 2006 beschrieben und stammt aus den Ostghats Indiens. Wie alle Arten der Gattung ist sie international geschützt, extrem schnell und hochgiftig – ausschließlich für erfahrene Halter.
Übersicht auf einen Blick
- Lebensweise
- baumbewohnend (arboricol)
- Herkunft
- Ostindien (Ostghats, Andhra Pradesh)
- Einsteiger-Eignung
- Sichtbarkeit
- Aktivität
- Grabverhalten
- Netzbau
Steckbrief / Systematik
- Wissenschaftlicher Name: Poecilotheria tigrinawesseli Smith, 2006
- Handelsnamen: "Wessel's Tiger Ornamental", in Indien auch "Anantagiri's Parachute Spider"
- Gattung: Poecilotheria (Ornamentvogelspinnen)
- Familie: Theraphosidae (Unterfamilie Poecilotheriinae)
- Verbreitung: endemisch in den Ostghats Indiens, bekannt von wenigen Fundorten in Andhra Pradesh
- Lebensraum: Wälder der Ostghats; lebt in Baumhöhlen, unter Rinde und in Felsspalten
- Körperlänge: Weibchen bis ca. 17–20 cm Beinspannweite, Männchen etwas kleiner
- Wachstum: mittel bis schnell
- Lebenserwartung: Weibchen ca. 11–12 Jahre, Männchen ca. 3–4 Jahre (Erfahrungswerte aus der Gattung)
- Schutzstatus: CITES Anhang II (gesamte Gattung Poecilotheria seit 2019), in der EU Anhang B der EU-Artenschutzverordnung; beim Kauf ist ein Herkunftsnachweis (z. B. Nachzuchtbescheinigung) erforderlich, nationale Melde- oder Registrierungspflichten sind zu beachten. Auf der Roten Liste der IUCN mangels Daten als "unzureichend bekannt" (Data Deficient) eingestuft
Hinweis zur Systematik: Äußerlich ähnelt P. tigrinawesseli stark P. formosa, genetisch steht sie dagegen P. miranda näher. Die Bestimmung erfolgt vor allem über die Zeichnung der Beinunterseiten. In manchen Quellen werden Angaben zu dieser Art mit der Sri-Lanka-Art P. subfusca vermischt; P. tigrinawesseli stammt jedoch aus Indien.
Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist die Unterseite der Beine: Das erste Beinpaar ist leuchtend narzissengelb mit schwarzen Bändern, das vierte Beinpaar bläulich-grau mit schwarzen Bändern – das "Tiger"-Muster, auf das sich der Name bezieht. Die Oberseite zeigt das typische, fein gezeichnete Ornamentmuster in Grau-, Creme- und Schwarztönen. Direkt nach der Häutung sind die Farben besonders leuchtend und haben einen violetten Schimmer, der mit der Zeit dunkler wird. Jungtiere sind ähnlich, aber blasser gezeichnet. Männchen sind etwas kleiner, nach der Reifehäutung schlanker und langbeiniger und tragen Bulbi an den Pedipalpen.
Habitat und natürliche Lebensweise
P. tigrinawesseli lebt in Baumhöhlen, unter abstehender Rinde und auch in Felsspalten, wo sie trichterförmige Gespinströhren anlegt. Sie ist nachtaktiv und lauert am Eingang ihres Unterschlupfs auf Beute. Da sie nur von wenigen Fundorten bekannt ist, ist sie in der Natur besonders anfällig für Lebensraumverlust.
Terrarium und Einrichtung
- Größe: für ein adultes Weibchen z. B. 30 x 30 x 50 cm; Höhe ist wichtiger als Fläche
- Bodengrund: 5–8 cm, z. B. Kokoshumus oder Terrarienerde, leicht feucht gehalten
- Einrichtung: senkrecht gestellte Korkröhre oder breite Korkrinde an der Rückwand als Unterschlupf, Äste und Kunstpflanzen als Ankerpunkte für Gespinst, Wassernapf
- Belüftung: gute Querlüftung ist bei Baumbewohnern besonders wichtig
- Hinweis: Das Terrarium sollte sich von vorne oder unten öffnen lassen, damit die Spinne beim Öffnen nicht direkt in Richtung Hand herausschießt. Ein absolut ausbruchsicherer Verschluss ist Pflicht
Temperatur und Klima
- Temperatur: 24–28 °C
- Luftfeuchtigkeit: ca. 60–70 %; Wassernapf bereitstellen und gelegentlich den Bodengrund oder die Einrichtung leicht übersprühen, ohne Staunässe
- Jahreszeitliche Schwankungen: nicht notwendig
Verhalten und Verteidigungsverhalten
Als Altweltart besitzt P. tigrinawesseli keine Brennhaare. Wie alle Ornamentvogelspinnen ist sie extrem schnell und neigt bei Störung zur sofortigen Flucht – häufig unvorhersehbar und auch aus dem Terrarium heraus. In die Enge getrieben zeigt sie eine Drohhaltung mit erhobenen Vorderbeinen, bei der die gelb-schwarze Unterseite sichtbar wird, und beißt. Das Gift der Gattung Poecilotheria gilt als besonders potent: Bisse führen typischerweise zu starken Schmerzen und teils schweren, über Tage anhaltenden Muskelkrämpfen. Ein Biss sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Arbeiten im Terrarium nur mit langer Pinzette, Auffangbehälter, voller Aufmerksamkeit und idealerweise in einem geschlossenen Raum, in dem die Spinne bei einer Flucht wieder eingefangen werden kann. Das Tier niemals auf die Hand nehmen.
Fütterung
Ein guter Fresser. Je nach Größe Grillen, Heimchen, Schaben, Heuschrecken oder größere Futterinsekten. Jungtiere 1–2x wöchentlich, adulte Tiere alle 1–2 Wochen. Futtertiere mit Pinzette in der Nähe des Unterschlupfs abgeben, ohne die Hand ins Terrarium zu führen. Nicht angenommenes Futter nach ca. 24 Stunden entfernen.
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