Xenesthis immanis
Samtschwarz mit violetten bis magentafarbenen Glanzlichtern an den Beinen und einem rötlich-braunen Schimmer auf Carapax und Hinterleib: Xenesthis immanis ist eine der größten und eindrucksvollsten Vogelspinnen Südamerikas. Im englischen Sprachraum heißt sie "Colombian Lesserblack". Sie wächst schnell, frisst enorm und ist mutig, aber auch flink und schreckhaft. Für Halter mit etwas Erfahrung ist sie eine hervorragende Wahl, für absolute Einsteiger eher nicht.
Übersicht auf einen Blick
- Lebensweise
- bodenbewohnend (terrestrisch), gräbt flache Baue
- Herkunft
- Kolumbien, Venezuela
- Einsteiger-Eignung
- Sichtbarkeit
- Aktivität
- Grabverhalten
- Netzbau
Steckbrief / Systematik
- Wissenschaftlicher Name: Xenesthis immanis (Ausserer, 1875)
- Gattung: Xenesthis
- Familie: Theraphosidae (Unterfamilie Theraphosinae)
- Verbreitung: Kolumbien und Venezuela; Tiere im Hobby stammen überwiegend aus Kolumbien
- Lebensraum: feuchtwarme tropische Wälder im Tiefland, unter Wurzeln, Totholz und Laub
- Körperlänge: ca. 7–9 cm Körperlänge, bis ca. 20–23 cm Beinspannweite
- Wachstum: schnell
- Lebenserwartung: Weibchen ca. 15–20 Jahre, Männchen ca. 3–4 Jahre
- Schutzstatus: nicht CITES-gelistet
Hinweis zur Systematik: X. immanis ist der venezolanischen Xenesthis intermedia zum Verwechseln ähnlich. Im Hobby gilt grob: X. immanis stammt aus Kolumbien, X. intermedia aus Venezuela. Herkunftsangaben sind daher wichtig. X. immanis gilt als die robustere der beiden Arten, mit besserer Überlebensrate bei Jungtieren – vermutlich auch, weil sie schon länger regelmäßig nachgezogen wird.
Erscheinungsbild
Adulte Weibchen haben eine samtschwarze Grundfärbung mit violetten bis magentafarbenen Glanzlichtern an den Beinen sowie einen rötlich-braunen Schimmer auf Carapax und Abdomen. Auf dem Abdomen zeigen sich helle, rosa- bis cremefarbene Streifen und lange, helle Haare. Frisch gehäutet ist die Färbung am intensivsten. Berühmt ist die Art für ihre Männchen: Nach der Reifehäutung zeigen sie einen leuchtend violetten bis metallisch blauen Carapax und gehören zu den farbenprächtigsten Vogelspinnenmännchen überhaupt. Sie sind zudem schlanker und langbeiniger und tragen Bulbi an den Pedipalpen sowie Tibialapophysen am ersten Beinpaar. Jungtiere sind unscheinbar braun gefärbt.
Habitat und natürliche Lebensweise
X. immanis lebt in flachen, selbst gegrabenen Bauen oder in Unterschlüpfen unter Wurzeln, Totholz und Laub. Sie ist nachtaktiv und eine kräftige, opportunistische Jägerin. Bekannt ist die Gattung Xenesthis für ihre Wohngemeinschaft mit kleinen Engmaulfröschen: Die Frösche leben im Bau der Spinne, fressen dort Ameisen und andere Kleininsekten, die dem Gelege gefährlich werden könnten, und werden von der Spinne nicht gefressen – ein seltenes Beispiel für eine Lebensgemeinschaft zwischen Vogelspinne und Wirbeltier.
Terrarium und Einrichtung
- Größe: Faustregel 3x Beinspannweite in der Grundfläche, z. B. 60 x 45 x 30 cm für ein adultes Weibchen; Fläche ist wichtiger als Höhe
- Bodengrund: mindestens 15 cm, z. B. Kokoshumus oder Terrarienerde
- Einrichtung: stabiles Versteck (Korkröhre oder Korkrinde) als Startpunkt für den Bau, großer Wassernapf, sparsame und stabile Deko
- Belüftung: gute Querlüftung, damit die Feuchtigkeit nicht zu Schimmel führt
- Hinweis: Die Höhe sollte begrenzt bleiben, da schwere Bodenbewohner bei Stürzen schwer verletzt werden können
Temperatur und Klima
- Temperatur: 23–27 °C
- Luftfeuchtigkeit: mittel bis hoch, ca. 70–80 %. Bei Jungtieren den Bodengrund durchgehend leicht feucht halten. Bei Halbwüchsigen und adulten Tieren den Boden zwischen dem Befeuchten etwas abtrocknen lassen, um Schimmel zu vermeiden. Ein großer Wassernapf ist Pflicht
- Jahreszeitliche Schwankungen: nicht notwendig
Verhalten und Verteidigungsverhalten
X. immanis ist mutig, aktiv und sehr futterorientiert und sitzt häufig gut sichtbar im Terrarium. Gleichzeitig ist sie schnell und schreckhaft. Bei Störung flüchtet sie meist oder setzt Brennhaare ein, die bei empfindlichen Menschen zu Juckreiz und Hautreizungen führen können. Ausgeprägt defensiv ist sie nicht, Bissdrohungen und Bisse sind selten. Ein Biss ist für gesunde Menschen medizinisch in der Regel unbedenklich, wegen der großen Cheliceren aber schmerzhaft. Arbeiten im Terrarium ohne Gesichtsnähe und mit langer Pinzette; das Tier nicht auf die Hand nehmen.
Fütterung
Ein ausgesprochen gieriger Fresser. Je nach Größe Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Schaben oder größere Futterinsekten. Jungtiere 1–2x wöchentlich, adulte Tiere alle 1–2 Wochen. Nicht überfüttern: Ein stark aufgeblähtes Abdomen erhöht das Verletzungsrisiko bei Stürzen. Nicht angenommenes Futter nach ca. 24 Stunden entfernen.
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